Die Eintagsfliege

Die Eintagsfliege
verschwindet schnurgerade
im Grün der Blätter.

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Halt

Halt

Bin neulich Abend mit dem Zug gefahren,
um mich vor einem Unfall zu bewahren,
als eisbedeckt die Straßen.
Die meisten Menschen standen in den Gängen,
man sah sie sich um Haltestangen drängen,
und ein paar Andre saßen.

Inmitten fremder Leute in der Zange,
so stand auch ich an einer solchen Stange,
und hielt mich daran fest.
Die Passagiere hüllten sich in Schweigen,
aus ihren Armen wurde, wie aus Zweigen,
ein lebendes Geäst.

Es türmten sich die Hände, jung und alt,
die suchten an der langen Stange halt
und an den Halte-Schlaufen,
zum Teil in einen Handschuh eingepackt,
zum Teil beringt und manchmal kahl und nackt;
es war ein bunter Haufen.

Kurz vor dem Tunnel noch ein schriller Pfiff,
dann prüfte jeder seinen festen Griff
und seinen festen Stand.
So warf die Kurve keinen aus der Bahn,
unsere Tour verlief genau nach Plan,
“am Schnürchen”, wie ich fand.

Nun sollte sich die Fahrt dem Ende neigen,
die Leute ließen los, um auszusteigen,
um still sich zu verdrücken.
So herrschte bald auch kein Gedränge mehr,
die Haltestange wurde langsam leer
und es entstanden Lücken.

Es dauerte sodann auch nicht mehr lange,
ich hielt mich bis zuletzt noch bei der Stange,
man sah den Bahnhof schon.
Der Mond schien rund und wirkte ziemlich helle,
für mich war dies die letzte Haltestelle;
es war die Endstation.

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Frühling

Frühling

Im tiefen Schnee verblassen unsre Spuren,
dein leeres Malbuch zeigt uns nur Konturen,
wir ahnen nur den Wiesengrund.
Hol deine Tusche und die Farben raus,
pack deine Pinsel und die Stifte aus,
und mach die weißen Seiten bunt!

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Heureka

Heureka

Im Lebenspuzzle fehlten ein paar Teile,
die suchte ich bereits seit einer Weile,
und das Motiv war schon verblasst.
Wenn ich auch oft probierte, in die Lücken
ein falsches Puzzleteil hineinzudrücken,
es hat doch nie gepasst.

So manches Mal gedacht, es sei nicht fair,
und dass für mich das Rätsel viel zu schwer,
ich löse es wohl nie im Leben.
Verloren aus dem Blick bereits das Ziel,
so hatte ich das große Puzzlespiel
schon beinah aufgegeben.

Es kostete Geduld und starke Nerven,
mal war ich drauf und dran es wegzuwerfen,
und mal gelangen kleine Schritte.
Die meisten Teile waren schon gefunden,
nur dieses allerletzte schien verschwunden,
und das war meine Mitte.

Doch hat das lange Suchen nun ein Ende!
Das letzte Teilchen fiel mir in die Hände,
jetzt strahlt das Bild in vollem Glanz.
Des Rätsels Lösung sei nun unverhehlt:
DU hast zu meinem Puzzle noch gefehlt,
nun endlich bin ich ganz.

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Traumgewicht

Und wieder folge ich dem Vorschlag der Karfunkelfee, so bekommt mein Kommentar zu ihrem Gewicht eines Traumes hier einen eigenständigen Eintrag.

Traumgewicht

Ob kerngesund oder ob eingeschränkt,
ein Leben wird mal so, mal so geschenkt,
man kann davor nicht fliehen.
Nicht immer ist’s mit Schleifchen eingepackt,
dann heißt es, dem Gedanken, der noch nackt,
was Warmes anzuziehen.

Manch einer schwört aufs Schwimmen mit Delfinen,
und muss dafür zunächst viel Geld verdienen
und erst im Wohlstand baden.
Doch eine Therapie kann man sich denken:
Wenn wir den Kindern unsre Liebe schenken,
kann das bestimmt nicht schaden.

Wir sollten mit dem Schicksal uns versöhnen,
und der Erfolg wir unsre Mühen krönen,
sei er auch noch so klein.
Doch kann es sein, dass wir infolgedessen
uns selbst und unsre Wünsche ganz vergessen,
und das darf auch nicht sein.

So mancher hat das Träumen aufgegeben,
verzichtet gänzlich auf sein eignes Leben
und hadert mit der Welt.
Doch zählen wir bestimmt zu den Gewinnern,
wenn wir uns ab und zu daran erinnern,
wie leicht das Träumen fällt.

Was so ein Traum für ein Gewicht erreicht?
Er schwebt ganz schwerelos und federleicht,
‘ne Waage braucht er nicht.
Er muss sich auch im Dunkeln nicht verstecken
und hat auch keine Kilos abzuspecken;
er hat sein Traumgewicht.

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Wellenlänge

Wellenlänge

Beim Schwimmen durch den Fluss des Lebens
suchst meistens Du vergebens,
nach einem Menschen aus der Menge
auf gleicher Wellenlänge.

Wie schön ist’s dann, wenn man sich findet,
im Geiste sich verbindet,
auf gleichen Funkfrequenzen sendet,
die Sendung niemals endet.

Wenn es im Radio auch manchmal knackt,
scheint alles aus dem Takt,
dann werden die Antennen ausgezogen,
schon glätten sich die Wogen.

Und hast Du einmal keinen Funk-Empfang,
weißt nicht, ob kurz, ob lang,
dann schick ich Dir, was hier geschrieben steht,
im Morsealphabet.

Ein Megaherz

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Ein Teil des Urlaubs

Dieses Gedicht, das ich meiner Oma zu ihrem 71. Geburtstag geschrieben habe, ist wohl das einzige, das aus meiner Jugend – ich war damals 13 Jahre alt – noch erhalten ist. Es geht um einen Urlaub im Sommer 1979 mit meiner Mutter im Allgäu.

Ein Teil des Urlaubs

Wir wollten in den Urlaub fahren,
wo wir danach ja dann auch waren:
in Bayern, dicht bei Österreich.
Da, wo wir waren, war ein Teich,
da konnte man ganz gut drin baden
und hatte davon keinen Schaden.
Den hatten wir von zwei Bekannten,
die sich mit Namen Losse nannten.
Die meckerten an Allem rum,
da wurde es uns bald zu dumm.
Frau Losse hatte – das war mager –
drei doofe Reime nur auf Lager.

Den Tegelberg wollt’ ich besteigen,
mit den zwei Jungs Gerhard und Eugen.
Und Mama wollte lieber fahren.
Als wir dann endlich oben waren,
sah es nicht mehr sehr sonnig aus.
Die Nachbarn, die aus unserm Haus,
die haben da mit uns gesessen
und mit uns auch noch was gegessen.
‘Ne kleine Suppe war das bloß,
danach ging es gleich wieder los.
Mama und Gerhard fuhren runter,
doch ich war immer noch ganz munter
und fing, samt Nachbarn und mit Eugen
an, den Berg hinab zu steigen.
Dann liefen wir – und das war bitter –
direkt hinein in ein Gewitter.
Und als wir endlich unten standen,
die andern Beiden auch gleich fanden,
da war’n wir nass bis zu den Schuh’n.
Genug von unserm Urlaub nun.

Zu dem Geburtstag wünsch’ ich Dir
das Allerbeste (und auch mir).

Und damit jeder auch die Bilder sehen kann, die ich damals dazu gezeichnet habe, füge ich hier noch beide Seiten im Original an (zum Vergrößern jeweils anklicken):

Ein Teil des Urlaubs, Seite 1 Ein Teil des Urlaubs, Seite 2
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Ohne Worte

Dem Vorschlag der Karfunkelfee folgend, bekommt mein Kommentar zu ihrer Geheimsprache hier einen eigenständigen Eintrag.

Ohne Worte

Alle Worte
flogen aus meinem Sinn,
weil von der wortlosen
geheimen Sprache
ich völlig sprachlos bin.

Es fragt ein Blick,
will seinen Finger heben,
doch hat sogleich
ein Blick zurück
die Antwort schon gegeben.

Wenn wir auch
keine Worte fanden,
so sprachen wir
ganz einfach ohne
und haben uns verstanden.

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Dichter Nebel

Dichter Nebel

Dichter Nebel

Es ist ein herbstlicher Novembermorgen,
die Welt mit weicher Watte zugedeckt,
im dichten Nebel liegt der Tag verborgen,
als hätt’ er sich vor uns versteckt.

Die Bäume recken ihre kahlen Äste,
mit dürren Fingern locken sie uns an:
“Kommt her, betrachtet euch als uns’re Gäste”.
Sie ziehen uns in ihren Bann.

Auf einem schmalen Pfad mit steilen Stufen,
der in das weit entfernte Traumland führt,
sieht man Gestalten, hört Gespenster rufen,
wird man von kalter Hand berührt.

Dort gibt es unentdeckte Zauberwesen
und Zwerge, Trolle, Riesen oder Feen,
wovon in manchem Märchenbuch zu lesen,
und die sonst nirgendwo zu seh’n.

Komm mit, wir wollen diese Reise wagen,
nur Mut, ich reich’ Dir gerne meine Hand,
und bist du müde, werde ich dich tragen,
ist das “Wohin” auch unbekannt.

Im dichten Nebel finden wir Verstecke,
in denen niemand uns zusammen sieht.
Wir stecken beide unter seiner Decke,
solange, bis er sich verzieht.

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Die Schleuse

Die Schleuse

Dort unten stehe ich, im großen Fluss,
wo ich als Schleuse funktionieren muss,
wenn Schiffe auf- und abwärts fahren.
Ich ließ das Wasser rein und wieder raus,
der ewig gleiche Trott, tagein, tagaus,
so lief es schon seit vielen Jahren.

Ich fand Routine, doch Erfüllung nicht,
so machte ich alsbald die Schotten dicht,
geschützt von einer starken Haut.
Die Schiffe standen vor verschloss’nen Toren,
kein Wassertropfen drang durch meine Poren,
so hat sich vieles aufgestaut.

Doch dann kamst Du mit Deinem bunten Kahn,
da änderte ich plötzlich meinen Plan,
hab’ in die Kammer Dich gelassen.
Du schafftest es, die Tore aufzuschließen,
nun kann das Wasser endlich wieder fließen,
als Rinnsal oder auch in Massen.

Für Dich steh’n meine Türen immer offen,
denn Du erfüllst das lang gehegte Hoffen,
auf dieses einst verlor’ne Glück.
Fährst Du auch weit hinaus aufs blaue Meer,
so freu’ ich mich auf Deine Wiederkehr,
weil ich ja weiß, Du kommst zu mir zurück.

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